Die Designer
Weil am Rhein ist nicht nur Stadt der Stühle, sondern auch ein lebendiges Zentrum der Designgeschichte: Zahlreiche international renommierte Möbel-Designer und ihre ikonischen Entwürfe prägen das überdimensionale Freilicht-Museum im Stadtbild. Die in Weil am Rhein gezeigten Stuhl-„Maxiaturen“ basieren auf weltbekannten Klassikern von Design-Pionieren wie Michael Thonet, Charles Rennie Mackintosh oder Mart Stam und verbinden Stadtmarketing mit Designkultur. Die Design-Stühle stehen nicht nur für kreative Formensprache und Möbeldesign-Geschichte, sondern laden Besucher dazu ein, Design im öffentlichen Raum zu erleben und mehr über klassische wie moderne Stuhlentwürfe zu erfahren.

Michael Thonet & Söhne
Michael Thonet (1796-1871) ist als Erfinder der Bugholztechnik und
Pionier der industriellen Möbelherstellung in die Designgeschichte
eingegangen. Nach einer Lehre als Bau- und Möbelschreiner eröffnete er
in seiner Heimatstadt Boppard 1819 eine eigene Werkstatt. Bereits ab
1830 unternahm er dort erste Experimente mit schichtverleimtem Holz. Die
eigentliche Entwicklung und Verfeinerung fand allerdings erst in den
Jahren nach 1842 statt, als sich Thonet in Wien niedergelassen hatte.
Der
weltweite Erfolg der von ihm 1856 gegründeten Firma Gebrüder Thonet
beruhte auf technischen Innovationen, einer konsequent industriellen
Herstellungsmethode und nicht zuletzt auf einer offensiven
Vertriebsstrategie. Thonets Bugholzmöbel galten als formschön, leicht,
stabil, haltbar und preiswert. Einige seiner berühmten Entwürfe, allen
voran der Stuhl Nr. 14, werden in leicht modifizierter Form bis heute
hergestellt.

Charles Rennie Mackintosh
Der britische Architekt und Designer Charles Rennie Mackintosh gilt als
Kopf der sogenannten Glasgower Schule und gehört zu den wichtigsten
Vertretern des Jugendstils in Großbritannien. Er erhielt seine
praktische Ausbildung in einem Architekturbüro, besuchte nebenher aber
auch Abendkurse in der Glasgower Kunstgewerbeschule. 1889 trat
Mackintosh der Baufirma Honeyman & Keppie bei, als deren Teilhaber
er von 1904-13 fungierte. Sein Hauptwerk ist die zwischen 1897 und 1909
entstandene Glasgow School of Art, für die er auch die gesamte, bis
heute erhaltene Inneneinrichtung entwarf.
Obwohl Mackintosh weitere
bemerkenswerte Bauten, wie etwa das Hill House, realisieren konnte,
gründet sein Ruf vor allem auf seinem umfangreichen Schaffen als
Möbelentwerfer. Dabei faszinieren seine Arbeiten durch die gelungene
Verbindung von rationalen und expressiven Elementen bzw. von kubischer
Abstraktion und floral inspirierter Linienführung.

Thomas Lee
Über Thomas Lee ist wenig mehr bekannt, als dass er um 1900 in der Stadt Westport an der US- Amerikanischen Ostküste lebte. Dort hat er, wohl eher nebenher und für den eigenen Gebrauch, den als Adirondack bzw. Westport Chair bekannten Stuhl entworfen und wahrscheinlich auch selbst zusammengezimmert. 1903 übergab er den Entwurf einem befreundetem Tischler namens Harry Bunnell, der ebenfalls in Westport ansässig war. Bunnell seinerseits meldete 1904 unter eigenem Namen ein Patent für den Stuhl an und begann sogleich mit der Herstellung dieses Modells. Über die produzierten Stückzahlen gibt es keine Angaben.

Mart Stam
Der Niederländer Mart Stam (1899-1986) gilt als einer der Begründer des
radikalen Funktionalismus und als Erfinder des hinterbeinlosen
Stahlrohrstuhls (1926), mit dem er schon in jungen Jahren
Designgeschichte schrieb. Ohne eine gestalterische Ausbildung im
klassischen Sinn absolviert zu haben, arbeitete er zunächst in
renommierten Architekturbüros in Deutschland. Anfang der 20er Jahre
gehörte er zu den Initianten der avantgardistischen
Architekturzeitschrift ABC, über die er mit El Lissitzky in Kontakt kam.
Mit ihm entwickelte er kurze Zeit später das legendäre
Wolkenbügel-Projekt.
Als seine bedeutendste eigenständige Arbeit gelten
die Reihenhäuser in der Stuttgarter Weißenhofsiedlung (1927). Für Stam,
der auch als Theoretiker, Publizist und Hochschullehrer tätig war,
spielte die Ästhetik bei gestalterischen Problemen eine untergeordnete
Rolle. Nicht zuletzt aufgrund seines sozialen und politischen
Engagements beharrte er auf dem Primat der Funktion und der Ökonomie.

Ludwig Mies van der Rohe
Ludwig Mies van der Rohe (1886-1969) ist ein Hauptvertreter der klassischen Moderne und gehört neben Le Corbusier zu den einflussreichsten Architekten des 20. Jahrhunderts. Nach einer Steinmetzlehre in seiner Heimatstadt Aachen ging er 1905 nach Berlin, wo er u.a. bei Peter Behrens arbeitete, ehe er sich 1913 selbstständig machte. Nach neoklassizistischen, stark von Schinkel beeinflussten Anfängen wandte sich Mies in den 20er Jahren der Moderne zu. Seine Bauten, etwa das Haus Tugendhat in Brünn (1929), für die er auch Möbel entwarf, überzeugten durch die Reinheit der Form, die Eleganz der Proportion und die Perfektion der Details. 1938 emigrierte Mies in die USA, wo er am IIT in Chicago eine Professur übernahm. Zu seinen wichtigsten Spätwerken gehört neben der Crow Hall in Chicago und dem Seagram Building in New York, die kurz vor seinem Tod vollendete Neue Nationalgalerie in Berlin.

Gerrit T. Rietveld
Der britische Architekt und Designer Charles Rennie Mackintosh gilt als
Kopf der sogenannten Glasgower Schule und gehört zu den wichtigsten
Vertretern des Jugendstils in Großbritannien. Er erhielt seine
praktische Ausbildung in einem Architekturbüro, besuchte nebenher aber
auch Abendkurse in der Glasgower Kunstgewerbeschule. 1889 trat
Mackintosh der Baufirma Honeyman & Keppie bei, als deren Teilhaber
er von 1904-13 fungierte. Sein Hauptwerk ist die zwischen 1897 und 1909
entstandene Glasgow School of Art, für die er auch die gesamte, bis
heute erhaltene Inneneinrichtung entwarf.
Obwohl Mackintosh weitere
bemerkenswerte Bauten, wie etwa das Hill House, realisieren konnte,
gründet sein Ruf vor allem auf seinem umfangreichen Schaffen als
Möbelentwerfer. Dabei faszinieren seine Arbeiten durch die gelungene
Verbindung von rationalen und expressiven Elementen bzw. von kubischer
Abstraktion und floral inspirierter Linienführung.

Robert Mallet-Stevens
Der Designer und Architekt Robert Mallet-Stevens (1886-1945) zählt zu den bedeutendsten Vertretern des Art Déco in Frankreich. 1903-06 studierte er an der École Spécial d’Architecture in Paris. Stilistisch beeinflusst von Mackintosh und Josef Hoffmann, war er anschließend bis zum ersten Weltkrieg vorwiegend als Innenarchitekt tätig. Bekanntheit erlangte er durch die Ausgestaltung von Luxusappartements und Geschäften der Pariser Haute Couture. In den 20er Jahren fand Mallet-Stevens, der 1929 zu den Gründungsmitgliedern der Union des Artistes Modernes gehörte, bald Anschluss an die klassische Moderne. In dieser Zeit entstanden seine zwei wichtigsten, durch ihre stark kubische Formensprache auffälligen Bauten: Die Villa für Charles de Noailles in Hyère (1924-33) und ein großes Wohnhaus in Paris (1926-27).

Herbert von Thaden
Über Herbert von Thaden ist fast nichts bekannt. Gewiss scheint nur, daß er in den 40er Jahren des 20.Jahrhunderts in den USA Mitinhaber eines Möbelherstellers namens Thaden Jordan Furniture Corp. war.

Mathieu Matégot
In Ungarn geboren und aufgewachsen, absolvierte Mathieu Mathégot (1910-2001) ein Kunststudium in Budapest. 1931 übersiedelte er nach Frankreich, wo er zunächst als Bühnenbildner und Architekt arbeitete. Unmittelbar nach dem zweiten Weltkrieg eröffnete Matégot in Paris ein eigenes Möbelatelier. Aufsehen erregte er Mitte der 50er Jahre mit der Innengestaltung des Flughafens Tit-Melin in Marokko und mit dem Restaurant la Saladière in Paris. 1959 beendete Matégot seine Tätigkeit als Möbeldesigner und widmete sich von nun an der Arbeit als Teppichgestalter, für die er bald internationale Anerkennung erhielt.

Michele de Lucchi
Der Italiener Michele De Lucchi (geb.1951) ist einer der schillernden Designer-Persönlichkeiten der Gegenwart. Nach einem Architektur-studium an der Kunsthochschule in Florenz, das er 1976 abschloss, machte er die Bekanntschaft mit Ettore Sottsass. Mit ihm war er einer der Mitbegründer von Memphis, der prägenden Designerbewegung der 80er Jahre. Für Memphis entwarf De Lucchi nicht nur Objekte, sondern er gestaltete auch die berühmten Ausstellungen der Gruppe. Mit der Schreibtischleuchte Tolomeo, die 1986 auf den Markt kam und bis heute ein Bestseller ist, kehrte er nach den formalen Spielereien der Postmoderne zu einem funktionalen und eleganten Designstil zurück. Nach der Gründung eines eigenes Studios (1988) widmete sich De Lucchi Projekten aus allen Bereichen des Designs. Daneben ist er, vor allem in Japan und Italien, auch als Architekt tätig. Zu seinen Kunden zählen heute außer Möbel- und Leuchtenproduzenten vor allem große, international tätige Dienstleistungsunternehmen.

Jasper Morrison
Jasper Morrison (geb.1959) absolvierte seine Ausbildung am Kingston
Polytechnik und am Royal College of Art, wo er 1985 mit dem Masters
abschloss. Anschließend kam er über ein Stipendium an die Hochschule der
Künste nach Berlin. 1986 gründete er sein eigenes Designerstudio in
London. Aufsehen erregte Morrison zunächst mit zwei Rauminstallationen
–„Reuter’s News Center“ für die Documenta 8 in Kassel (1987) und „some
new Items for the House“ in der DAAD Galerie in Berlin (1988) - die
durch ein klares Konzept und die formale Reduktion der Objekte
beeindruckten. Mit diesen Arbeiten etablierte sich Morrison als
prominenter Vertreter der „neuen Einfachheit“, die in Reaktion auf den
Formenüberschwang der Postmoderne entstand. Neben Möbeln (v.a. für Vitra
und Cappellini) entwarf Morrison, der zu den bedeutendsten und
einflussreichsten Designern der Gegenwart gehört, unter anderem auch
Leuchten, zahlreiche Wohnasseccoires und Textilien.

Aldo Rossi, Parigi
Aldo Rossi (1931-1997), Professor am Mailänder Polytechnikum und an der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich, Direktor der internationalen Architekturabteilung der Triennale in Mailand. In ganz Italien aber auch in Berlin, London, Paris, New York, Tokyo, Buenos Aires und Kuala Lumpur hat der Pritzker-Preis-Träger (1990) seine Entwürfe verwirklicht. Rossi baute alle Gebäudetypen, die eine Stadt auszeichnen: Schulen, Stadthallen, Bibliotheken, Theater, Friedhöfe, Einfamilienhäuser und Wohnblöcke. Seine Formensprache zeichnet sich durch Einfachheit und Strenge aus. Mit dem Ziel, zeitlose Architektur zu schaffen, bediente sich Rossi geometrischer Grundformen - Kubus, Zylinder und Prisma - die er immer wieder variierte und neu kombinierte. Dieselbe Formensprache zeichnet Rossis Arbeit als Designer aus.

Shaker
Bei den Shakern handelt es sich um eine religiöse Bewegung, die von der
Engländerin Ann Lee begründet wurde. Der Name (to shake, dt.: schütteln)
geht auf die rituellen, ruckartig ausgeführten Tänze der Gruppe zurück.
Die Glaubensgemeinschaft lebte in großen Familien, kannte kein privates
Eigentum, trug strenge, schmucklose Kleidung und versorgte sich fast
ausschließlich selbst. Schnell gewannen sie Anerkennung durch ihr
vorbildliches Verhalten als amerikanische Staatsbürger und für ihr hoch
entwickeltes Handwerk.
Die von ihnen hergestellten Produkte
entsprangen dem Glaubensziel, durch die eigene Arbeit eine harmonische
und besinnliche Umgebung, ein «Paradies auf Erden», zu schaffen.


Hans und Wassili Luckhardt
Hans Luckhardt (1890-1954), studierte an der Technischen Hochschule in
Karlsruhe, sein Bruder Wassili (1889-1972) in Berlin-Charlottenburg und
Dresden. Sie gehörten in den 20er Jahren zusammen mit Martin Gropius,
den Gebrüdern Bruno und Max Taut, Erich Mendelsohn, Hans Scharoun und
Ludwig Mies van der Rohe zu den wichtigsten Vertretern des "Neuen
Bauens" in Berlin.
Die Grundgedanken dieser Bewegung waren die
Reinheit der Form, die Bewusstheit der Mittel, die Beschränkung auf das
Notwendigste und vor allem der Einsatz von Glas, Beton und Stahl. Sie
realisierten - vorwiegend in Berlin - mehrere Bauten und
Ausstellungsprojekte. Ab 1927 experimentierten sie mit Bewegungsstühlen -
wie z.B. dem Modell »Siesta«, entwarfen erste Stahlrohrmöbel - wie z.B.
den Freischwinger ST 14 sowie Flugzeugsitze.
Nach dem zweiten
Weltkrieg wurde Hans Professor an der Hochschule für Bildende Künste in
Berlin, Wassily wurde Mitglied der Akademie der Künste. Das Schaffen von
Hans und Wassili Luckhardt beeinflusste die Architektur in Deutschland
der Nachkriegszeit.

Shiro Kuramata
1934 geboren in Tokyo; bis 1953 Studium der Architektur an der
Technischen Hochschule Tokyo; 1954 Arbeit beim Möbelhersteller Teikoku;
1956 Ausbildung als Kunsttischler am Kuwasawa-Institut für Design,
Tokyo; 1957–1964 Arbeit in der Werbeabteilung der Firma San-Ai; 1965
Gründung des Büros »Kuramata Design Office« in Tokyo; 1969
Innenausstattung des Judd-Klubs in Tokyo; 1981 Japanischer Kulturpreis
für Design; 1981–1984 Entwürfe für die Gruppe Memphis in Mailand; 1987
Inneneinrichtung der Issey-Miyake-Boutiquen New York, Paris, Tokyo; bis
1991 Innenausstattungen für weitere Boutiquen und Clubs; 1991 gestorben
in Tokyo.

